Das Ehrenamt im Sport – Stolpersteine, Herausforderungen und Chancen

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Detmold – Paderborn. In einer Kooperationsveranstaltung der Sparkasse Paderborn- Detmold und der Sportverbände aus Detmold und Paderborn hatten Vereinsvertreter und Sportfunktionäre in diesen Tagen Gelegenheit, sich über Chancen und Herausforderungen zukünftiger Ehrenamtsarbeit zu informieren. Im Mittelpunkt des Abends im Kommunikationszentrum der Sparkasse stand Prof. Dr. Sebastian Braun,  Professor für Sportsoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Die Zeit- und Wissensspenden der Mitglieder sieht Prof. Braun als eine besonders kostbare Ressource, die Sportvereine haben, um ihre Angebote zu erstellen. Viele Vereinsvorsitzende, so der Referent weiter, klagen jedoch seit langem, dass es immer schwieriger werde, freiwillig Engagierte und vor allem Ehrenamtliche in Leitungsfunktionen zu gewinnen und längerfristig zu binden. Auf der Basis der breit angelegten und bundesweit repräsentativen Freiwilligensurveys von 1999, 2004 und 2009, die im Auftrag des Bundesfamilienministeriums durchgeführt werden, zeigte Braun anhand seiner sportbezogenen Sonderauswertungen der Bevölkerungsbefragungen: Der Sport war einerseits konstant das Handlungsfeld in der Bevölkerung, das den höchsten Anteil freiwillig und ehrenamtlich Engagierter in der Bevölkerung aufwies. 2009 engagierte sich rund ein Zehntel der Bevölkerung ab 14 Jahre in zivilgesellschaftlichen Kontexten des Sports, also in Vereinen wie auch selbstorganisierten Projekten und Initiativen. Und rund vier von fünf dieser Engagierten taten dies im vereinsorganisierten Sport unter dem Dach der Sportverbände. Andererseits zeigen die Daten auch einen sichtbaren Rückgang des freiwilligen und ehrenamtlichen Engagements im Sportbereich. Im Jahr 1999 engagierten sich noch 11,2% und im Jahr 2004 11,1% der Bevölkerung ab 14 Jahre im Sportbereich. Bis 2009 sank die entsprechende Engagementquote um einen weiteren Prozentpunkt auf 10,1%. Hochgerechnet und in Absolutzahlen ausgedrückt bedeutet der Rückgang der Engagementquote im Zehnjahreszeitraum Verluste im Umfang von ca. 650.000 Engagierten.
Die Daten stützen also die Sorgen vieler Vereinsvorstände im Hinblick auf die Gewinnung und Bindung freiwilligen und ehrenamtlichen Engagements im Sportverein. Der damit verbundene problemorientierte Diskurs, der seit Jahrzehnten unter Begriffen wie „Krise des Ehrenamts“ im vereinsorganisierten Sport thematisiert wird, scheint in den letzten Jahren aber zunehmend von einem Potenzialdiskurs überlagert zu werden, der vor allem die Gestaltungsmöglichkeiten des postulierten „Strukturwandels des Ehrenamts“ in den Vordergrund rückt. Er betont strukturelle Veränderungen in den Sportvereinen, um auch zukünftig Wissens- und Zeitspenden der Mitglieder mobilisieren zu können. Braun diskutierte in diesem Kontext einen Zyklus des Managements freiwilligen und ehrenamtlichen Engagements, den Vereine nutzen können, um ihre „Personalarbeit“ in den Vereinen weiterzuentwickeln. Allerdings machte er auch deutlich: Wer vereinsinterne „Manager“ installieren will, um diese bedeutsame Zukunftsaufgabe zu installieren, sollte auch berücksichtigen, dass es das nicht kostenlos gibt. Mitglieder engagieren sich zwar unentgeltlich, ein gutes Management der Zeit- und Wissensspenden kostet selbst aber auch wieder Geld und Zeit. Er plädierte dafür, diesem bedeutsamen Gebiet der Vereinsarbeit einen noch höheren Stellenwert zu geben und dafür auch weitere Mittel in der internen Ressourcenverteilung vorzusehen.

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Gestalteten den informativen Abend zum Thema Ehrenamt: Mathias Hornberger, Stadtsportverband Paderborn, Prof. Dr. Sebastian Braun, Humboldt-Universität zu Berlin, Joachim Hunold, Direktor Steuerung Sparkasse Paderborn-Detmold, Wilfried Starke, Kreissportbund Lippe und Karl-Heinz Danger, Sportverband Detmold (von links).
Foto: Sparkasse Paderborn-Detmold

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