„We are not afraid some day“: August-Hermann-Francke-Schulen demonstrieren für verfolgte Christen in Irak und Syrien

Kundgebung für verfolgte Christen in Irak und Syrien am 24.10.2014 AHFS Detmold

Detmold. Der IS („Islamischer Staat“) nutzt die Öffentlichkeit, um Angst und Schrecken zu verbreiten, die August-Hermann-Francke-Schulen nutzen die Öffentlichkeit, um Mut, Glauben und Solidarität zu vermitteln. Weil Christen in Syrien und im Irak aus ihren Häusern vertrieben und gezwungen werden, auf der Straße zu leben, gehen Christen hier in Deutschland auf die Straßen. Weil sie dort unterdrückt werden, stehen sie hier auf. Weil ihnen dort ein Zeichen aufgedrückt wird, was sie als Zielscheibe des Terrors markiert, tragen sie dieses ‚ن‘, ein arabisches ‚N‘, hier freiwillig, um zu zeigen: Wir sind auch ‚Nazarener‘!
Es ist das erste Mal in der Geschichte der August-Hermann-Francke Schulen, dass eine öffentliche Kundgebung organisiert und mit der gesamten Schule durchgeführt wird. Für die Schüler lief der Tag anders ab als gewöhnlich: In Schulgottesdiensten wurde ihnen die Thematik nahegebracht und von den jüngsten Ereignissen in Syrien und im Irak teilweise von Augenzeugen berichtet. In Projektphasen innerhalb der Klassen schrieben die Schüler Briefe an die Betroffenen, malten Bilder oder fertigten Plakate für die Kundgebung an – häufig mit den Aufschriften „Pray for Syria/Iraq“ („Betet für Syrien/Irak“), „You are not forgotten“ („Ihr seid nicht vergessen“) oder „We are ن“ („Wir sind N“). Diese letzte Aussage ist eine besondere Solidaritätsbekundung. Das ‚ن‘, das von den meisten Teilnehmern der Kundgebung auf Aufklebern oder Schildern getragen wurde, ist ein Symbol des Terrors sowie der Hoffnung. Es ist das Zeichen, das Menschen in Syrien und im Irak, auf Häuserwänden angebracht, der Verfolgung freigibt. Das sie als Christen, als ‚Nazarener‘ brandmarkt. Es ist das Zeichen, das Christen weltweit als Symbol der Solidarität tragen. Als Aufruf, nicht zu Schweigen.

Es ist dieses Symbol, das Schüler und Schülerinnen, Lehrer sowie Eltern durch Detmold tragen und dabei den Verkehr zum Stillstand bringen. Auf dem Weg zur Kundgebung vor dem Rathaus stoßen noch Vertreter der Bibelschule Brake, der Georg-Müller-Schulen Bielefeld und der Freien Evangelischen Schulen Minden dazu. Der Marktplatz der Detmolder Innenstadt verwandelt sich in einen bunten Schilderwald, aus dem die Stände der Hilfswerke OpenDoors und Aktion für verfolgte Christen und Notleidende (AVC), die den gesamten Tag von Beginn an begleiten, hervorstechen.

Die Kundgebung wird von dem Schulleiter der August-Herman-Francke-Gesamtschule, Ingo Krause, eröffnet: „Religionsfreiheit ist ein Recht, dass in diesen Tagen in Irak und Syrien nichts gilt. Dazu hat die westliche Welt zu lange geschwiegen, das geben wir selbstkritisch zu“. Als Vertreter der christlichen Schulen in Detmold, Bielefeld, Minden und Lemgo-Brake beginnt David Wiebe, auf den Pastor Maik Berghaus als Vertreter der christlichen Kirchen in Detmold folgt. Bundestagsabgeordneter Christian Haase bezeichnete die Ereignisse nach dem Ausruf des ‚Islamischen Kalifats‘ am 9. Juni als „neuen, traurigen Höhepunkt“ religiöser Gewalt. Er erinnerte besonders daran, dass das Leid der Christen oft verschwiegen wird und dass ohne Freiheit „Christentum nicht denkbar“ ist. „Wir wollen die Freiheit, unseren Glauben leben zu dürfen. Und wir wollen diese Freiheit für die ganze Welt“, schloss sich ihm Landtagsabgeordneter Dennis Maelzer an. Auch der stellvertretende Landrat Kurt Kalkreuter betonte, dass mit der Forderung nach Freiheit etwas verlangt wird, das für den Westen selbstverständlich ist. Bürgermeister Rainer Heller bedankte sich bei allen Beteiligten für ihren Einsatz und äußerte Stolz, Bürgermeister von Detmold zu sein. Er sah es als Aufgabe, zusammen zu stehen und betroffen zu sein und war froh, hierfür die Rathaustreppe zur Verfügung stellen zu können. „Wofür denn sonst?“

Eindrucksvoll schilderte Markus Rode, Leiter von OpenDoors und Augenzeuge der Auswirkungen der Verfolgungen, die Zustände der Flüchtlinge. Er ermutigte aber auch mit einem Bericht eines syrischen Pastors, der mitten in den Kriegswirren eine Taufe mit 29 Personen abhalten konnte, dass der christliche Glaube auch unter Verfolgung wächst. Er forderte vor allem praktische Hilfe für Flüchtlinge, denen ein Winter ohne Heimat bevorsteht. Ebenfalls als Augenzeuge berichtete Volker Baumann, Vertreter der AVC, von den Folgen des Terrors im Irak. Er hob besonders hervor, dass es sein Ziel sei, „Mut zu machen“. Dass der IS Videos von Massenhinrichtungen veröffentlicht, um Angst zu verbreiten und dass Angst die „größte Waffe ist“, die die Verfolger haben.

Den Abschluss bildete Bruder Hussam, der als „Stimme der orientalischen Christen“ auftrat. Auf die Frage, was die Christen in Syrien und im Irak erwarten, antwortete er: „Das, was ihr heute alle genießt – eine Freiheit. Sie erwarten, gesehen zu werden!“ Er schloss mit dem Bekenntnis, dass Gott Liebe ist und Mensch in Jesus Christus wurde, „damit wir lieben können“.

Nach einem Gedicht der Aramäerin Anahid Akkayan über das Leid von Verfolgten, das von Schülerinnen vorgetragen wurde, schloss die Veranstaltung mit einem gemeinsamen Gebet und dem Lied ‚We shall overcome‘, das in der Bürgerrechtsbewegung von Martin Luther King bekannt gemacht wurde.
Zum Schluss wurden die mehr als 1500 Teilnehmer der Kundgebung dabei gefilmt, wie sie ihren christlichen Brüdern und Schwestern „We pray for you“, „Wir beten für euch“, zuriefen. Ein Video, das den Verfolgten Mut machen soll. Ein Ruf der Hoffnung gegen die Rufe der Angst. Die Hoffnung, dass mit dieser Kundgebung mehr angehalten wird, als nur der Verkehr.

In diesen Tagen hat der Winter im Nahen Osten bereits begonnen, der erste Schnee ist gefallen und Regen überschwemmt teilweise die Flüchtlingszelte. Mit Ihrer Spenden helfen Sie in diesem konkreten Fall warme Kleidung und Decken für die Flüchtlinge in Irak und Syrien zu kaufen. Spendenkonto AVC: Evangelische Kreditgenossenschaft, BIC GENODEF1EK1, IBAN DE37 5206 0410 0004 1130 12; Spendenkonto OpenDoors: Postbank Karlsruhe, BIC PBNKDEFF, IBAN DE67 6601 0075 0315 1857 50, Verwendungszweck: Flüchtlingshilfe OWL

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