Schule soll die Gesellschaft befruchten

Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher referrierte zum "Wert der christlichen Erziehung für eine demokratische Gesellschaft". Foto: StükerProf. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher referrierte zum "Wert der christlichen Erziehung für eine demokratische Gesellschaft". Foto: Stüker

Detmold / Lippe. Der diesjährige Osterempfang der August-Hermann-Francke Schulen (AHF) stand ganz im Zeichen des 25-jährigen Schuljubiläums und der Frage, welche Bedeutung einer christlichen Erziehung in eine pluralistischen Gesellschaft zukommt. Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher, ein international anerkannter Fachmann, befasste sich in seinem Festvortrag mit dieser Frage. Zahlreiche Vertreter aus Politik und Wirtschaft, unter ihnen der Detmolder Bürgermeister Rainer Heller, waren der Einladung der AHF Schulen gefolgt und tauschten sich im Anschluss an das Festprogramm zum Fachvortrag und den vorgestellten Schulprojekten aus.

Pastor Diemar Arends, Superintendent de Lippischen Landeskirche gratulierte den AHF-Schulen zu ihrer erfolgreichen Arbeit. Foto: Stüker

Pastor Diemar Arends, Superintendent der Lippischen Landeskirche, gratulierte den AHF-Schulen zu ihrer erfolgreichen Arbeit. Foto: Stüker

Dietmar Arends, Superintendent der Lippischen Landeskirche, freute sich in seinem Grußwort über die eindrucksvoll positive Entwicklung der AHF-Schulen. Beeindruckend findet er, wie das Zusammenleben in der Schule ausgestaltet und wie der christliche Akzent der Schule gesetzt wird. „Bildung braucht Religion und Religion braucht Bildung. Wir sind in unserer pluralistischen Gesellschaft auf Dialogbereitschaft angewiesen“, brachte es Arends auf den Punkt. Er sieht dieses Ziel in den AHF-Schulen als gut umgesetzt an, meint er doch: „Schule darf nicht nur Abschlüsse vermitteln, sondern muss auch zur eben dieser Dialogfähigkeit erziehen.“ Ähnlich bewertet Alfed Losing, von der freikirchlichen Baptistengemeinde in Lage den Auftrag der Schulen insgesamt, aber insbesondere derer mit christlicher Prägung. Er will diese Schulen nicht als Konkurrenz zu den öffentlichen Schulen verstanden wissen, sondern als befruchtendes Element. Schließlich ist das heutige Schulsystem aus der bei der Kirche angesiedelten Ausbildung der Pastoren und Lehrer hervorgegangen.

Berthold Maier vom Verband der evangelischen Bekenntnisschulen, kam zur Feierstunde aus Karlsruhe nach Detmold. Foto: Stüker

Berthold Maier vom Verband der evangelischen Bekenntnisschulen, kam zur Feierstunde aus Karlsruhe nach Detmold. Foto: Stüker

Auch Berthold Maier vom Verband der evangelischen Bekenntnisschule unterstrich diese Auffassung als Präsent überreichte er der Schule das erste in Deutschland erschienene Schulbuch, „Über die Unterweisung der Geistlichen“, dass Rabanus Maurus vor gut 300 Jahren schrieb. Von Seiten der Bezirksregierung Detmold lobte Rüdiger Most, besonders die Eigeninitiative der Eltern, die dieses Schulkonzept der AHF so gut mit tragen. Die Zahlen geben diesem Ansatz zu einer Erziehung in einem traditionellen Wertesystem hin zu erheblicher Sozialkompetenz und Leistungsbereitschaft, wie er erklärte. Gut 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler sind bereits aus Familien ohne Migrationshintergrund, was seiner Einschätzung nach zeigt, wie sehr dieser Bildungsansatz bei den Eltern ankommt.

Rüdiger Most von der Bezirksregierung Detmold würdigte ausdrücklich das nahchahmungswürdige Engagement der Eltern  der AHF-Schulen. Foto: Stüker

Rüdiger Most von der Bezirksregierung Detmold würdigte ausdrücklich das nahchahmungswürdige Engagement der Eltern der AHF-Schulen. Foto: Stüker

Festredner Prof.Dr Dr. Thomas Schirrmacher, vertiefte die Erklärung des Selbstverständnisses von christlich orientierten Schulen. Nach seinem Verständnis ist das Bildungssystem zu sehr auf den IQ ausgerichtet und vernachlässigt dabei die Förderung und Entwicklung der emotionalen Intelligenz. „Liebe, in all ihren Facetten, und damit ist durchaus oder vielleicht auch vor allem die Nächstenliebe zu verstehen, bestimmt, so platt dass auch klingt, mehr über das Leben, als die intellektuelle Bildung,“ erklärte Schirrmacher. Er fordert von allen die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit Fehlentwicklungen in der Gesellschaft genauso ein wie die Bereitschaft sich nicht auf althergebrachtes zurückzuziehen, sondern sich auf die eigentlichen christlichen Grundwerte zu besinnen und das Leben dieser entsprechend der gesellschaftlichen Entwicklungen anzupassen. Alles bedarf der konsequenten Führung gepaart mit einer situativen Flexibilität zu Anpassung um erfolgreich zu arbeiten. „Jeder Mensch ist ein Ebenbild Gottes und verdient es mit entsprechender Würde angefasst zu werden“, mit dieser Aussage unterstrich er seine Auffassung.

Heinrich Wiens stellte Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher den geladenen Gästen vor. Foto: Stüker

Heinrich Wiens stellte Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher den geladenen Gästen vor. Foto: Stüker

Anschließend an den Festvortrag stellten die AHF-Schulen ausgewählte Projekte aus dem Schulalltag vor. Sehr eindrucksvoll ist die Unterstützung der „Hope School“ in Südafrika, durch die AHF-Grundschule in Detmold. Die Schule für AIDS-kranke Kinder und AIDS-Waisen steht in regen Kontakt zu der Detmolder Schule. Inzwischen haben die Kinder auf beiden Kontinenten einen gemeinsamen Bilder-Kalender zum Thema Hoffnung kreiert. Der Erlös des Verkaufs kommt der afrikanischen Schule zu Gute. Auch einen Flohmarkt zu Gunsten der Hope School hat es bereits gegeben, der am 13. September erneut organisiert werden soll.

Der Leiter der Detmolder AHF-Grundschule erläuterte das gemeinsame Projekt seiner Schule mit der Hope School in Südafrika. Im Foyer  des AHF Gymnasiums stand dieses von den Kindern mitgebaute Modell. Foto: Stüker

Der Leiter der Detmolder AHF-Grundschule erläuterte das gemeinsame Projekt seiner Schule mit der Hope School in Südafrika. Im Foyer des AHF Gymnasiums stand dieses von den Kindern mitgebaute Modell. Foto: Stüker

Die AHF-Hauptschule stellte ihre Schülerfirma vor, die einige sehr erfolgreiche Produkte entwickeln und verkaufen konnte. Miniatur Weihnachtskrippen haben sich als regelrechter Verkaufsschlager erwiesen und sollen auch in diesem Jahr  wieder zu haben sein. Das von der Oberstufe des Gymnasiums auf die Beine gestellte Theaterstück “ Das Gras unter den Füßen“ thematisiert die Wechselvolle Geschichte der unter Katharina der Großen  nach Russland ausgewanderten Deutschen bis hin zu deren Rückkehr nach Deutschland ab Ende der 80er-Jahre. Sogar in der Düsseldorfer Staatskanzlei brachten die Schülerinnen und Schüler das Stück in Auszügen auf die Bühne. Weder das Theaterplakat noch die Kostüme hatten den Charme einer Laienspielgruppe, sonder überzeugten auf ganzer Linie durch Professionalität. Gleiches gilt auch für den Kurzfilm zum Schulfest anlässlich des 25-jährigen Schuljubiläums.

"Das Gras unter den Füßen" ein von der gymnasialen Oberstufe realisiertes Theaterstück stellten zwei der Darsteller kurz vor. Foto: Stüker

„Das Gras unter den Füßen“ ein von der gymnasialen Oberstufe realisiertes Theaterstück stellten zwei der Darsteller kurz vor. Foto: Stüker

Heinrich Wiens übergab im Namen des Schulträgers das ausgelobte Stipendium des „Francke Pädagogium“ an die Lehramtsstudenten Mark Pitzkau und Rudolf Solodjankin. Die beiden angehenden Lehrer sind innerhalb der Schule in vielen Bereichen unterstützen tätig und können so einige Praxiserfahrungen sowohl im Verwaltungsbereich als auch im Unterricht sammeln. Musikalisch wurde das interessante Programm untermalt von Schülern und Lehrern des AHF-Gymnasiums und vom Schulchor.

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