Provokante Thesen und deutliche Worte

(v.li.) Referentin Birgit Kelle, Moderator Prof. Dr. Helmut Wenck, EAK-Vorsitzender Wolfgang Strohmeyer und JU Lippe-Vorsitzender Alexander Martin.(v.li.) Referentin Birgit Kelle, Moderator Prof. Dr. Helmut Wenck, EAK-Vorsitzender Wolfgang Strohmeyer und JU Lippe-Vorsitzender Alexander Martin.

10. Lippeforum der EAK und JU stellt „Familie und Ehe“ in den Mittelpunkt

Oerlinghausen-Währentrup. „Familie ist … genial“. Dieses Fazit zog Pfarrer Michael Stadermann, Präses der Lippischen Landeskirche auf dem 10. Lippeforum am Samstag in Oerlinghausen. Eingeladen hatte der EAK, der Evangelische Arbeitskreis der CDU und die Junge Union Lippe. Gekommen waren rund neunzig Gäste, um sich über den heutigen Stellenwert von Ehe und Familie zu informieren.

Drei Referenten und ein Moderator – die ganztägige Veranstaltung mit Start in der Kirche zu Helpup und anschließender Tagung im Hotel Mügge in Währentrup war perfekt organisiert. Dem Thema Familie – so alt wie die Menschheit selbst und derzeit so stark im Umbruch wie selten zuvor – widmeten sich die Referenten aus theologischer und soziologischer Sicht.

Den Auftakt machte Präses Michael Stadermann, der stellvertretend für die Lippische Landeskirche sprach und den Familienbegriff weit fasste. „Familie ist überall dort, wo Verantwortung, Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und Treue gelebt und gestaltet wird. Es gibt keine von der Heiligen Schrift vorgegebene, institutionelle Form von Familie“, so Stadermann.

Ganz anders definierte der „Stargast“ des Tages, die provokant-polarisierend formulierende Journalistin und Autorin Birgit Kelle, selbst vierfache Mutter die Begriffe „Ehe“ und „Familie“. Kelle: „Wir müssen nicht alles zur Ehe erklären, was gern Ehe wäre“. Mit diesem Angriff auf die Homo-Ehe wendet sich die gebürtige Siebenbürgerin, die im Alter von neun Jahren in die Bundesrepublik Deutschland kam, gegen eine, so Kelle, „staatliche Förderung nach dem Gießkannenprinzip“. Stattdessen, so forderte sie, solle der Staat „in das Original investieren“, denn Familie halte den Staat am Leben mit einem Überschuss abzüglich aller Kosten wie Schule, Kita von rund 70.000 Euro pro Kind. Vehement kritisierte Kelle die Kritiker des „Betreuungsgeldes“, vom politischen Gegner SPD, der dieses als „Fernhalteprämie“ titulierte sowie Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung, der das Betreuungsgeld als „Verdummungsprämie“ bezeichnete.

Erwartungsgemäß entfachte der rund einstündige Vortrag eine heftige Diskussion, wobei deutlich wurde: die Zuschauer waren mit Birgit Kelle einer Meinung, dass Erziehung in die Hand der Familie gehört, Familien gestärkt werden und wieder „eine Lobby“ erhalten sollten. Der Staat solle, wie am Beispiel Frankreich in der Praxis vorgelebt, Familien steuerlich weniger belasten und mehr schützen, damit, so Kelle, „Familie ab dem dritten Kind nicht so etwas wie ein teures Hobby wird“. Mit dem Fazit „das war erfrischend und hat vielen aus der Seele gesprochen“, kommentierte EAK-Vorsitzender Wolfgang Strohmeyer den ebenso kurzweiligen wie interessanten Vortrag Kelles.

Letzter Redner des Tages war Dr. theol. Sieghard Mühlmann, der zum Thema Ehe und Familie aus theologischer Sicht referierte. Mühlmann machte deutlich, dass es im Zuge des demographischen Wandels, den er bereits als „Krise“ bezeichnete, wenig Spielraum gebe: „Wir sind als Christen gefragt, uns auch in den traditionellen Institutionen Ehe und Familie zu bewähren“.

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